
Es gibt Bausätze, die tauchen in Sammlerkreisen nur noch als Erzählung auf. Jemand kennt jemanden, der noch einen im Keller hat, auf Auktionsplattformen werden Fantasiepreise aufgerufen, und ihr fragt euch, ob ihr das Projekt jemals angehen könnt. Die Heinkel He 111P-1 im Maßstab 1:32 war genau so ein Fall. Deshalb legen wir sie neu auf, frisch verpackt und mit überarbeiteter Anleitung: Heinkel He 111P-1 im Revell Shop.
Bevor ihr den Karton öffnet, lohnt sich ein Blick auf das Original. Denn kaum ein anderes Flugzeug der 1930er und 1940er Jahre trägt so viel Technikgeschichte, so viele Kuriositäten und so viel Filmgeschichte mit sich herum wie dieser zweimotorige Bomber mit der markanten Glaskanzel.
Vom zivilen Schnellverkehrsflugzeug zum Standardbomber
Die He 111 entstand Anfang der 1930er Jahre in Rostock, entworfen von den Zwillingsbrüdern Siegfried und Walter Günter bei den Ernst Heinkel Flugzeugwerken. Grundlage war die einmotorige He 70 „Blitz“, ein damals sehr moderner Schnellverkehrsflieger mit Einziehfahrwerk und aerodynamisch sauberer Linienführung. Aus dieser Idee wurde eine zweimotorige Vergrößerung, die offiziell als Verkehrsflugzeug für zehn Passagiere und Postfracht geführt wurde. Der Erstflug fand am 24. Februar 1935 in Rostock-Marienehe statt.
Diese zivile Fassade war Absicht. Der Versailler Vertrag untersagte Deutschland den Bau von Bombern, weshalb die Konstruktion von Beginn an so ausgelegt war, dass sie sich mit geringem Aufwand militärisch umrüsten ließ. In der englischsprachigen Literatur hat sich dafür bis heute das Bild vom Wolf im Schafspelz gehalten. Die Lufthansa erhielt tatsächlich einige Maschinen und setzte sie im Liniendienst ein, doch die eigentliche Karriere begann als Bomber. Bis zur Einstellung der Fertigung 1944 entstanden knapp 8.000 Exemplare in allen Varianten.
Was die P-Version so besonders macht
Die frühen Baureihen hatten noch eine konventionelle Stufenkanzel mit abgesetzter Pilotenscheibe. 1937 kamen aus dem Flugbetrieb Rückmeldungen über die schlechte Sicht, und Heinkel reagierte mit einer der auffälligsten Änderungen der gesamten Flugzeuggeschichte: der vollverglasten, asymmetrischen Bugkanzel. Die Besatzung saß nun dicht beieinander im Glashaus, der Pilotensitz ließ sich anheben, damit der Kopf für Start und Landung über die Verglasung hinausragen konnte. Die He 111 P bekam diese Kanzel zusammen mit Daimler-Benz DB 601 Motoren mit je rund 1.100 PS und wurde ab Anfang 1939 an die Luftwaffe geliefert.
Für uns als Modellbauer ist eine Zahl besonders interessant: Von der Unterversion P-1 entstanden lediglich rund 95 Maschinen, gefertigt in Rostock und Wismar. Danach folgte die deutlich zahlreichere P-2. Die gesamte P-Reihe lief bereits Anfang 1940 aus, weil die DB 601 Motoren für die Jagdflugzeuge gebraucht wurden. Die weitere Serienfertigung übernahm die H-Version mit Jumo 211 Triebwerken. Wer also diesen Bausatz baut, stellt eine der seltenen frühen Maschinen in die Vitrine, nicht die Allerweltsversion.
Die He 111 im Einsatz: schnelle Erfolge und ein hartes Erwachen
Bei Kriegsbeginn war die He 111 mit rund tausend ausgelieferten Maschinen der Standardbomber der Luftwaffe und flog bei den Kampfgeschwadern 1, 4, 26, 27, 28, 53, 54, 55 und 100. Mit etwa 410 km/h Höchstgeschwindigkeit war sie Mitte der 1930er schneller als viele Jäger, ein Vorsprung, der bis 1940 aufgebraucht war.
Über England zeigte sich das Problem der Konstruktion schonungslos. Die Abwehrbewaffnung aus einzelnen MG 15 reichte gegen Spitfire und Hurricane nicht aus, die Panzerung war dünn, das Flugzeug zu langsam für den Tageseinsatz. Die Verluste zwangen die Luftwaffe in den Nachtangriff. Dort kam die Technik zum Zug, die heute unter dem Stichwort Funkmesskrieg oder „Battle of the Beams“ bekannt ist: Knickebein und später das X-Gerät, mit dem sich Ziele über Funkleitstrahlen auch bei völliger Dunkelheit anfliegen ließen. Die Kampfgruppe 100 flog mit entsprechend ausgerüsteten He 111 als Zielfinder voraus.

Der bekannteste und zugleich bedrückendste Einsatz dieser Technik war der Angriff auf Coventry am 14. November 1940. Dreizehn Maschinen der Kampfgruppe 100 markierten das Ziel für die nachfolgenden Verbände, mindestens 568 Menschen starben in dieser Nacht. Wer ein Modell dieses Flugzeugs baut, baut immer auch ein Stück dieser Geschichte mit, und das gehört irgendwo zum Hobby dazu.
Eine Anekdote aus der anderen Richtung: Die erste deutsche Maschine, die im Zweiten Weltkrieg auf britischem Boden herunterkam, war ebenfalls eine He 111. Am 28. Oktober 1939 wurde eine H-2 des Kampfgeschwaders 26 über dem Firth of Forth von Spitfires der Staffeln 602 und 603 abgefangen und ging bei Humbie in East Lothian nieder. Der verwundete Pilot brachte die Maschine im Gleitflug herunter, die „Humbie Heinkel“ wurde zur Medienattraktion und lieferte dem britischen Nachrichtendienst ein weitgehend intaktes Studienobjekt. Ein Blechfragment davon ist bis heute im Kelvingrove Museum in Glasgow zu sehen.
Wenn ihr Lust auf dieses Großprojekt bekommen habt: Hier geht es direkt zur Heinkel He 111P-1 im Revell Shop.
Kuriositäten am Rande: Zwilling, Spanien und ein zweites Leben
Die He 111 ist auch eine Fundgrube für alle, die technische Sonderwege mögen. Aus zwei Rümpfen und einem zusätzlichen fünften Triebwerk in einem neuen Mittelflügel entstand die He 111 Z „Zwilling“, ein Schleppflugzeug für den Riesenlastensegler Me 321. Späte H-Versionen wurden zu fliegenden Startrampen für V1 Flugbomben umgebaut. Und im Osten diente die Maschine gegen Kriegsende vor allem als Transporter.
Das kurioseste Kapitel spielt jedoch in Spanien. Dort baute CASA die He 111 in Lizenz weiter, bis 1956 entstanden rund 200 Exemplare der Version 2.111. Weil deutsche Motoren fehlten, bekamen die Maschinen ausgerechnet britische Rolls-Royce Merlin Triebwerke, also genau jene Motoren, die 1940 in Spitfire und Hurricane saßen. Die spanische Luftwaffe flog diese Bomber bis in die 1970er Jahre.
Filmstar wider Willen: die He 111 auf der Leinwand
Genau dieser spanische Fuhrpark machte 1968 den vielleicht berühmtesten Kriegsfilm der Luftfahrtgeschichte möglich. Für „Luftschlacht um England“ stellte die spanische Luftwaffe ihre gesamte Flotte von 32 CASA 2.111 zur Verfügung, samt Besatzungen. Die Verhandlungen waren zäh, weil zwischen Madrid und London der Streit um Gibraltar schwelte, und erst als Rolls-Royce mit dem Zurückhalten von Ersatzteilen ins Spiel kam, kam Bewegung in die Sache. Gedreht wurde rund um Sevilla, die Formationsflüge entstanden über dem Atlantik, weil die spanische Landschaft nun einmal nicht nach Kent aussieht. Nur zwei Maschinen wurden nach England überführt und tauchen in den Szenen in Duxford auf.
Danach blieben die Flugzeuge im Filmgeschäft. Eine CASA 2.111 flog in der britischen Fernsehserie „Piece of Cake“, andere Maschinen wanderten in Museen. Heute ist keine He 111 mehr flugfähig, die letzte fliegende CASA wurde 2003 bei einer Notlandung zerstört. Moderne Produktionen greifen daher zu digitalen Modellen. In Flugsimulationen und Spielen wie War Thunder gehört die He 111 dagegen seit Jahren zum festen Inventar, dort meist als H-3, H-6 oder H-16.
Wo ihr das Original heute noch sehen könnt
Für Recherche und Detaillierung lohnt der Museumsbesuch. In der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums steht eine CASA 2.111 B, weitere Maschinen findet ihr im Militärhistorischen Museum am Flugplatz Berlin-Gatow, im Auto- und Technikmuseum Sinsheim, in der Flugausstellung Hermeskeil und im Musée de l’air et de l’espace in Le Bourget. Echte deutsche Originale sind extrem selten. Eines der wenigen Exemplare ist eine He 111 P mit der Kennung 5J+CN in der Sammlung der norwegischen Luftstreitkräfte in Gardermoen, also ausgerechnet die Version, die ihr hier in 1:32 baut.
Der Bausatz: 433 Teile, über 70 cm Spannweite, Level 5
Kommen wir zum Karton. Der Bausatz basiert auf einer eigens für diesen Maßstab entwickelten Form und ist bis heute der weltweit einzige verfügbare Plastikbausatz der He 111 in 1:32. Mit 51 cm Länge und über 70 cm Spannweite braucht das fertige Modell eine eigene Regalreihe, und genau darin liegt der Reiz: Nietenreihen, Kanzelstruktur, Bombenschacht und Waffenstände lassen sich in dieser Größe so darstellen, wie es in 1:72 oder 1:48 schlicht nicht geht.
Die technischen Eckdaten im Überblick:
- Maßstab: 1:32
- Einzelteile: 433
- Schwierigkeitsgrad: Level 5
- Altersempfehlung: ab 13 Jahren
- Lieferumfang: Plastikbausatz (nicht zusammengebaut), bebilderte mehrsprachige Bauanleitung in aktualisierter Fassung, Abziehbildersatz
Level 5 heißt: Das ist kein Nachmittagsprojekt. Plant den Innenraum zuerst, denn die vollverglaste Bugkanzel gibt später alles preis, was ihr im Cockpit und an den Waffenständen gebaut und bemalt habt. Wer das Maximum herausholen will, maskiert die zahlreichen Scheibenfelder sauber ab, arbeitet mit Vorschattierungen im Rumpfinneren und nimmt sich für die großformatigen Decals Weichmacher zur Hand, weil der Trägerfilm in diesem Maßstab sonst auffällt.
Fazit: ein Projekt, kein Feierabendmodell
Die He 111P-1 in 1:32 ist ein Bausatz für alle, die ein Modell wollen, das eine Geschichte erzählt und dabei den ganzen Tisch beansprucht. Ihr bekommt ein technikgeschichtlich hochinteressantes Flugzeug, eine seltene Frühversion, eine Kanzel, die zum Detaillieren einlädt, und ein Ergebnis, das auf jeder Ausstellung Blicke auf sich zieht. Wenn ihr euch das Projekt gönnen wollt, greift zu, solange die Auflage verfügbar ist: Heinkel He 111P-1 im Revell Shop.







