
Es gibt Flugzeuge, die man sofort erkennt, und es gibt Flugzeuge, die man sofort mag. Die Hawker Hunter gehört zu den seltenen Maschinen, auf die beides zutrifft. Sydney Camms schlanker Pfeilflügeljet aus den frühen 1950er Jahren gilt bis heute als eines der schönsten Kampfflugzeuge, die je in Großbritannien gebaut wurden. Doch während der einsitzige Jäger die Schlagzeilen bekam, war es eine ganz andere Version, die den Hunter-Piloten überhaupt erst das Fliegen beibrachte: die zweisitzige T.7. Genau diesen Trainer bringen wir jetzt im großen Maßstab 1:32 auf euren Basteltisch.
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Warum die Hunter einen Zweisitzer brauchte
Um zu verstehen, warum die T.7 so wichtig war, muss man kurz an den Anfang zurück. Die RAF hatte Ende der 1940er Jahre ein Problem. Ihre ersten Jets, Gloster Meteor und de Havilland Vampire, waren mit ihren geraden Flügeln der neuen Generation sowjetischer Muster nicht mehr gewachsen. Hawker antwortete mit dem Projekt P.1067, einem sauber gezeichneten Pfeilflügler rund um das damals neue Rolls-Royce-Avon-Triebwerk. Neville Duke hob den Prototypen am 20. Juli 1951 zum Erstflug ab, und 1953 stellte eine modifizierte Hunter einen absoluten Geschwindigkeitsweltrekord auf. Insgesamt entstanden fast 2.000 Maschinen, die in mehr als zwanzig Luftwaffen dienten.
Der Umstieg von einem Meteor oder einer Vampire auf diese deutlich schnellere, deutlich anspruchsvollere Maschine war für junge Piloten allerdings ein gewaltiger Sprung. Ein Schleudersitz und ein Handbuch reichten dafür nicht. Es brauchte einen Trainer, der sich genau wie das Original anfühlte, weil er tatsächlich das Original war, nur eben mit einem zweiten Sitz und einer zweiten Steuerung.
Nebeneinander statt hintereinander: eine Entscheidung der Fluglehrer
Hawker begann 1953 zunächst als Privatinitiative mit den Arbeiten an einer zweisitzigen Variante. Auf dem Zeichenbrett standen zwei Konzepte zur Auswahl. Eine Tandemversion wäre einfacher zu bauen und aerodynamisch sauberer gewesen. Eine Version mit nebeneinanderliegenden Sitzen war komplizierter, weil sie einen komplett neuen, breiteren Vorderrumpf verlangte.
Entschieden haben am Ende nicht die Konstrukteure, sondern die Ausbilder. Die Central Flying School und die Day Fighter Leaders‘ School sprachen sich klar für die Nebeneinander-Anordnung aus, weil der Lehrer dem Schüler so direkt zeigen konnte, welchen Hebel er wann zu bedienen hatte, wie ein Ziel anvisiert wird und worauf es beim Instrumentenflug ankommt. 1954 wurde die Spezifikation T.157D ausgeschrieben, Hawker baute einen Prototypen. Diese eine Entscheidung ist der Grund, warum eure T.7 diese unverwechselbare breite Schnauze bekommt, die sie sofort von jeder einsitzigen Hunter unterscheidet.
Der Buckel, der ein Flugproblem löste
Der Prototyp XJ615 flog am 8. Juli 1955 zum ersten Mal, und sofort zeigte sich, dass die neue Kanzel die Aerodynamik empfindlich störte. Ab etwa Mach 0,84 begann die Strömung instabil zu werden, bei Mach 0,88 fing die Maschine an zu schlingern und zu nicken. Beim Einsitzer verläuft die Verkleidung hinter der Kanzel kurz und schmal und endet fast an der Flügelwurzel. Für die T.7 funktionierte das nicht.
Hawker testete daraufhin mehr als zwanzig verschiedene Ausführungen dieser Verkleidung, bis die Lösung gefunden war: ein deutlich größerer, buckelartiger Rücken, der sich weit über die halbe Rumpflänge nach hinten zieht. Damit waren Schlingern und Nicken verschwunden. Was viele Modellbauer für eine reine Stilfrage halten, ist also das sichtbare Ergebnis eines echten Flugerprobungsproblems. Wer die T.7 baut, baut ein Stück gelöste Aerodynamik mit.
Nebenbei wurde auch die Bewaffnung angepasst. Der Prototyp trug zunächst zwei 30-mm-Aden-Kanonen, in der Serie blieb nur eine übrig. Auch das ist ein Detail, auf das ihr beim Bemalen achten könnt, denn die asymmetrische Anordnung fällt auf, sobald das Modell fertig auf dem Regal steht.
Vom Erstflug 1955 in den Dienstalltag der RAF
Der ursprüngliche Auftrag lautete über 55 Maschinen, die in Blackpool entstehen sollten. Nach den britischen Verteidigungskürzungen von 1957 gab es im Werk Kingston freie Kapazitäten, also wanderte die Fertigung dorthin. 45 T.7 wurden für die RAF gebaut, die erste flog am 11. Oktober 1957. Die restlichen zehn Zellen gingen an die Admiralität und wurden zu den ersten T.8 für die Royal Navy. Sechs weitere Maschinen entstanden durch Umbau aus vorhandenen F.4.
Ab 1958 kam die T.7 zur 229 Operational Conversion Unit in Chivenor, danach ging sie in kleinen Stückzahlen an praktisch jede Hunter-Einheit, in Großbritannien ebenso wie bei der 2nd Tactical Air Force in Deutschland. Viele Staffeln hielten sich ein einziges Exemplar für Umschulungen, Instrumentenflugprüfungen und den täglichen Übungsbetrieb. 1967 kam die 4 Flying Training School in Valley auf Anglesey dazu, wo die T.7 in der fortgeschrittenen Pilotenausbildung eingesetzt wurde. Erst mit der Einführung der BAe Hawk endete diese Ära.
Ein besonderes Kapitel schreibt die T.7A. Bei diesen Maschinen wurde ein Teil der Instrumentierung durch Buccaneer-Anzeigen ersetzt, dazu kam das Integrated Flight Instrumentation System. Damit wurden angehende Buccaneer-Besatzungen in Lossiemouth geschult, bevor sie auf den schweren Tiefflieger umstiegen. Ein Trainingsjet, der Piloten für ein völlig anderes Flugzeug vorbereitete, das ist selbst in der Luftfahrtgeschichte eine ungewöhnliche Rolle.
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Die T.7 bei der Koninklijke Luchtmacht
Die niederländische Luftwaffe bestellte zwanzig T.7 direkt in England, geliefert wurden sie 1958 und 1959. Sie trugen die Kennungen N-301 bis N-320 und flogen bei den Staffeln 322, 323, 324, 325, 326 und 327 sowie an der Jachtvliegschool von Soesterberg, Leeuwarden und Twenthe aus. Die 324 Squadron übernahm dabei die Aufgabe, sämtliche niederländischen Hunter-Piloten von der Gloster Meteor auf die Hunter umzuschulen.
Die 325 Squadron war der letzte Nutzer. Am 27. August 1968 überführte sie zwei Maschinen zurück nach England, und damit endete die Geschichte der T.7 in niederländischen Diensten. Zwei Exemplare hatten allerdings schon 1964 ein zweites Leben begonnen, als das Nationaal Lucht- en Ruimtevaartlaboratorium sie für Forschungszwecke kaufte. Eine davon war bis 1980 im Einsatz, und die N-312 flog im Lauf ihrer Karriere mit verschiedenen Bugsektionen. Wer heute in den Niederlanden eine Hunter in Aluminium mit Dayglo-Feldern über den Kopf donnern hört, erlebt die Arbeit der Dutch Hawker Hunter Foundation in Leeuwarden, die diese Lackierung bewusst weiterträgt.
Vierzig Minuten von London nach Paris
Die schönste Anekdote rund um die T.7 stammt aus dem Sommer 1959. Zum fünfzigsten Jahrestag von Louis Blériots Kanalüberquerung schrieb der Daily Mail ein Rennen zwischen dem Marble Arch in London und dem Arc de Triomphe in Paris aus. Über 10.000 Pfund Preisgeld waren ausgelobt, und in wenigen Wochen wurden weit über hundert Versuche unternommen, mit allem, was sich bewegte: Motorräder, Autos, Hubschrauber, Schnellboote, Amphibien.
Gewonnen hat Squadron Leader Charles Maughan von der RAF mit einer Zeit von 40 Minuten und 44 Sekunden. Seine Kette bestand aus einem Polizeimotorrad zum Themseufer bei Chelsea, einem Bristol-Sycamore-Hubschrauber nach Biggin Hill, einer zweisitzigen Hunter nach Villacoublay, einem weiteren Hubschrauber nach Issy und einem letzten Motorradsprint zum Arc de Triomphe. Der schnellste Mann des Rennens saß also ausgerechnet in einem Schulflugzeug. Ein zweiter Sitz erlaubte es nämlich, unterwegs einen Navigator mitzunehmen, während der Pilot sich voll auf die Zeit konzentrierte.
Black Arrows, Blue Diamonds und eine Brücke in London
Die Hunter prägte auch das goldene Zeitalter der britischen Formationskunstflug-Teams. Die pechschwarzen Maschinen der 111 Squadron, bekannt als Black Arrows, flogen 1958 in Farnborough einen Looping mit 22 Hunter in einer einzigen Formation. Dieser Rekord steht bis heute. Als die Staffel auf die Lightning umrüstete, übernahm die 92 Squadron mit sechzehn leuchtend blauen Hunter als Blue Diamonds. Ein erhaltenes T.7-Exemplar im Yorkshire Air Museum trägt genau dieses Blau und erinnert an die Führungsmaschine des Teams.
Und dann ist da noch der 5. April 1968. Aus Ärger darüber, dass zum fünfzigsten Geburtstag der RAF kein Formationsflug über London vorgesehen war, scherte Flight Lieutenant Alan Pollock aus seinem Verband aus, kreiste dreimal über dem Parlament und flog anschließend mit seiner Hunter FGA.9 durch den Bogen der Tower Bridge. Er war der erste Mensch, der das mit einem Jet tat. Ein Kriegsgericht blieb ihm erspart, seine Karriere in der RAF endete trotzdem. Kaum eine andere Geschichte beschreibt so gut, welche Emotionen dieses Flugzeug ausgelöst hat.
Auf der Leinwand hatte die Hunter ihren stärksten Auftritt früh. Der britische Spielfilm High Flight von 1957 begleitet Flugschüler in Cranwell durch ihre Ausbildung, und im letzten Drittel gehört die Bühne den Hunter-Formationen. Für einen Bausatz, der genau diese Ausbildungsjahre erzählt, ist das ein passender Bezug. Später wurde die Maschine vor allem zum Gegenstand von Dokumentationen, etwa in der 2014 erschienenen Produktion The Hawker Hunter oder in der Folge der Serie Air Warriors aus dem Jahr 2023, die unter anderem Pollocks Flug durch die Tower Bridge aufgreift. Wer die Hunter heute in Bewegung erleben will, findet sie am ehesten auf europäischen Airshows in den Händen privater Betreiber und Stiftungen.
Was das für euren Basteltisch bedeutet
Für uns war die T.7 lange ein offener Wunsch im Programm, und wir haben sie mit modernster 3D-Scan-Technik umgesetzt. Der komplett neue vordere Rumpf mit der authentischen Zweisitzerkonfiguration ist dabei das Herzstück, denn genau daran hängt der Charakter dieses Flugzeugs. Das hochdetaillierte Doppelcockpit mit präzisen Instrumententafeln und realistischen Sitzen kommt unter einer kristallklaren Verglasung besonders gut zur Geltung, was gerade in 1:32 einen echten Unterschied macht. Die Oberflächenstrukturen wurden ebenfalls per Scan vom Original abgenommen.
Die durchdachte Aufteilung der Bauteile sorgt für einen reibungslosen Zusammenbau und erlaubt eine unkomplizierte Grundbemalung, bevor ihr euch an Details und Finish macht. Der Dekalbogen deckt sowohl Maschinen der RAF als auch der niederländischen Luftwaffe ab, ihr habt also die Wahl zwischen einem britischen Ausbildungsjet und einer Maschine aus Leeuwarden oder Twenthe.
Der Bausatz in Zahlen
Die Hawker Hunter T.7/T.7A erscheint im Maßstab 1:32 und besteht aus 185 Einzelteilen. Empfohlen wird sie ab 13 Jahren. Im Karton findet ihr den Kunststoffmodellbausatz, eine mehrsprachige, bebilderte Bauanleitung mit Farbangaben sowie einen hochwertigen Dekalbogen für verschiedene Versionen. Die Artikelnummer lautet 037869090.
Ein Flugzeug, das eine ganze Generation von RAF-Piloten ausgebildet hat, ein Rennsieger zwischen zwei Hauptstädten und ein Zeuge der wohl elegantesten Jahre der britischen Luftfahrt. Holt euch dieses Stück Geschichte auf die Werkbank.
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