Airbus Helicopters EC135 „Air-Glaciers“: Der Lebensretter aus den Alpen im Maßstab 1:72 als Starter Kit

Von 30. August 2026Modellbau11 min Lesezeit

Es gibt Bausätze, die man baut, weil die Form schön ist. Und es gibt Bausätze, die man baut, weil hinter dem Vorbild eine Geschichte steckt, die man nach dem letzten Decal noch weitererzählen möchte. Unser Starter Kit der Airbus Helicopters EC135 in den Farben von Air-Glaciers gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Ihr baut hier nicht irgendeinen Hubschrauber, sondern eine ganz bestimmte Maschine mit einer eigenen Biografie, eingesetzt von einem Unternehmen, das die Bergrettung in den Alpen mit erfunden hat. Wer direkt loslegen möchte, findet das Set hier: Starter Kit Airbus Helicopters EC135 „Air-Glaciers“ im Revell Shop.

Vom Bergführer zum Rettungspionier: wie Air-Glaciers entstand

Die Geschichte beginnt 1963 mit einem Unglück. Der Walliser Bergführer Bruno Bagnoud verlor einen Freund nach einem Absturz, weil der herbeigerufene Gletscherpilot Hermann Geiger mit seiner damaligen Maschine schlicht nicht landen konnte. Geiger erklärte Bagnoud anschließend, woran es lag: Ein leistungsfähigerer, turbinengetriebener Helikopter vom Typ Alouette III kostete 1,5 Millionen Schweizer Franken, und dieses Geld war nicht da. Bagnoud lieh sich daraufhin 600.000 Franken bei einer Regionalbank, der Hersteller Sud Aviation stimmte einer Ratenzahlung zu, und im August 1965 stand die erste Alouette III mit dem Kennzeichen HB-XCB in Sitten.

Am 1. August 1965 gründeten Bagnoud, Hermann Geiger und Fernand Martignoni gemeinsam die Air-Glaciers. Der Anfang war hart und tragisch zugleich. Geiger, international bekannt als Gletscherpilot und als fliegender Bernhardiner, starb bereits im August 1966 bei einem Flugunfall am Flugplatz Sitten, als seine Piper beim Start mit einem landenden Segelflugzeug kollidierte. Martignoni kam 1982 ums Leben. Bagnoud führte das Unternehmen fast vier Jahrzehnte allein weiter, baute Basen in Lauterbrunnen, Collombey, Leysin, Saanen, Gampel und La Chaux-de-Fonds auf und blieb bis 2020 an der Spitze. Er starb im Oktober 2022 im Alter von 87 Jahren. Im Mai 2025 feierte Air-Glaciers in Sitten den 60. Geburtstag mit rund 7.000 Besuchern, und die allererste Alouette III von 1965 steht bis heute dort.

Wenn ihr also dieses Modell auf die Vitrine stellt, steht dort ein Stück Schweizer Rettungsgeschichte. Die Luftrettung im Alpenraum, wie wir sie heute kennen, ist aus genau dieser Mischung aus Sturheit, Bankkrediten und persönlichem Verlust entstanden.

Von der BO 108 zur EC135: ein deutscher Prototyp wird zum Weltbestseller

Das Vorbild unseres Bausatzes hat eine ähnlich eigenwillige Vorgeschichte. In den 1980er Jahren entwickelte Messerschmitt-Bölkow-Blohm in Ottobrunn den Technologieträger BO 108, gedacht als Nachfolger der legendären BO 105. Der erste Prototyp flog am 17. Oktober 1988, ein zweiter folgte im Juni 1991. An Bord steckte damals Technik, die für Hubschrauber neu war, unter anderem die erste vollautomatische digitale Triebwerksregelung FADEC und ein gelenkloser Hauptrotor.

Als MBB im neu gegründeten Eurocopter Verbund aufging, brachte das Unternehmen das Projekt mit ein. Und dann passierte das, was Modellbauer an dieser Maschine bis heute sofort erkennen: Die französische Seite des Konzerns steuerte den ummantelten Heckrotor bei, den Fenestron. Angeblich geschah das gegen erheblichen Widerstand der Techniker in Ottobrunn, die ihre BO 108 bereits flugfertig hatten und Komplikationen befürchteten. Durchgesetzt hat sich der Fenestron trotzdem, und am 15. Februar 1994 hob die umgebaute BO 108 A1 als erste Maschine der neuen Baureihe EC135 in Ottobrunn ab.

1996 lief die Serienfertigung in Donauwörth an, die erste Serienmaschine ging an die deutsche Luftrettung. Danach ging es steil bergauf. 2011 rollte die tausendste EC135 aus der Halle, bis September 2020 waren rund 1.400 Stück an etwa 300 Betreiber in 60 Ländern ausgeliefert, gemeinsam mit über fünf Millionen Flugstunden auf dem Konto. Grob die Hälfte davon fliegt in Europa, und ein sehr großer Anteil arbeitet in der Luftrettung. Heute läuft der Typ unter der Bezeichnung H135 weiter. Nebenbei diente die Zelle immer wieder als fliegendes Labor, etwa als Forschungshubschrauber mit lichtleiterbasierter Steuerung oder als Bluecopter Demonstrator für leisere und sparsamere Rotortechnik.

Der Fenestron ist das Herzstück des Modells

Für den Bau lohnt es sich zu verstehen, warum dieses runde Loch im Seitenleitwerk so wichtig ist. Ein klassischer Heckrotor ist ein frei drehendes Messer in Kopfhöhe. Genau das ist bei Rettungseinsätzen auf einer Wiese, einem Vorplatz oder einem schmalen Absatz im Gebirge das größte Risiko für alle, die sich der Maschine nähern. Der ummantelte Fenestron dreht geschützt im Gehäuse, kann Umstehende nicht verletzen und nimmt auch beim Streifen von Buschwerk keinen Schaden. Dazu kommt die deutlich geringere Geräuschentwicklung.

Am Modell ist der Fenestron das Bauteil, an dem euer fertiger Hubschrauber gewinnt oder verliert. Wer Lust auf ein bisschen Mehrarbeit hat, kann die Innenseite des Kanals sauber verschleifen, die Kante minimal dünner ziehen und den Bereich um den Rotor mit Evergreen Profilen und gezogenem Gussast ergänzen.

HB-ZRK: die Biografie einer einzelnen Maschine

Der Decalsatz gibt euch nicht irgendeine EC135, sondern HB-ZRK im Zustand von 2015. Und diese Maschine hat eine erstaunliche Laufbahn hinter sich. Gebaut wurde sie 1997 mit der Seriennummer 0027, also als sehr frühe EC135 T1 aus den ersten Produktionsjahren. Ihr erstes Leben verbrachte sie als D-HRHM in der deutschen Luftrettung, danach flog sie als OE-  XXR bei einem österreichischen Betreiber.

Am 16. Oktober 2014 wurde sie in der Schweiz eingetragen, wenige Tage später kam sie über Bern ins Land, und Ende Oktober 2014 flog sie von Lauterbrunnen aus ihren ersten Einsatz. Der Hintergrund ist übrigens sehr schweizerisch pragmatisch: Eine Änderung der Luftfahrtvorschriften verlangte in der Luftrettung zweimotorige Hubschrauber, und Air-Glaciers, die bis dahin vor allem mit einmotorigen Lama und Alouette III unterwegs war, deckte den Bedarf mit gebrauchten EC135 aus Österreich.

In der Schweiz bekam HB-ZRK einen Spitznamen, der wunderbar zu einer kleinen, zähen Maschine im Hochgebirge passt: Asterix. Die Beschriftung wechselte über die Jahre, um 2021 kamen weiße Titel und eine Rettungswinde dazu. 2024 wurde sie in Lauterbrunnen durch eine modernere EC135 T3 mit besserer Hochgebirgsleistung, moderner Navigation, Nachtsichtausrüstung und Suchscheinwerfer ersetzt. Im Mai 2025 wurde HB-ZRK aus dem Schweizer Register gelöscht und fliegt seitdem wieder in Österreich. Ihr baut also einen Zustand, den es so nicht mehr gibt, und genau das macht das Modell für eine Vitrine spannend. Den Bausatz dazu bekommt ihr hier: Starter Kit EC135 „Air-Glaciers“ im Revell Shop.

Lauterbrunnen, Piz Gloria und ein Hauch von James Bond

Die Heimatbasis unserer Maschine liegt im Lauterbrunnental, und damit direkt unterhalb eines der berühmtesten Filmberge der Welt. Auf dem Schilthorn wurde zwischen Oktober 1968 und Mai 1969 der James Bond Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ gedreht, das Drehrestaurant heißt seitdem Piz Gloria. Für den Hubschrauberangriff im Film wurden damals Bell 204 der Heliswiss eingesetzt, eine davon musste zusätzlich aus Norwegen angemietet werden.

Die Verbindung zu Air-Glaciers kam später. In der 2013 eröffneten Ausstellung Bond World 007 auf dem Schilthorn steht ein Helikoptersimulator, und dessen Gehäuse ist die Originalzelle einer ausgemusterten Alouette III von Air-Glaciers, die ihren allerletzten Flug hinauf zum Gipfel absolvierte. Wer sich dort in die Kanzel setzt und den Anflug auf Piz Gloria fliegt, sitzt in einem echten Stück Firmengeschichte. Für ein Diorama ist das eine reizvolle Idee: eine EC135 im Anflug auf ein Felsplateau, im Hintergrund die Wand der Berner Alpen.

Die EC135 in Fernsehen, Kino und Simulation

Kaum ein moderner Hubschrauber ist im deutschsprachigen Raum so präsent wie der EC135. In der Sat.1 Actionserie „HeliCops“ flog anfangs sogar der zweite EC135 Prototyp mit dem Kennzeichen D-HECY vor der Kamera, geflogen teilweise von Werkspiloten, ergänzt durch Computeranimation. Für die zweite Staffel stand diese Maschine nicht mehr zur Verfügung, und eine andere EC135 übernahm den Job. In der Serie „Die Rettungsflieger“ fliegt der Rettungshubschrauber ebenfalls als EC135, und auch in den „Bergrettern“ gehört der Typ zum festen Personal.

Hinter der Kamera ist die EC135 mindestens genauso oft im Einsatz, nämlich als Kameraträger mit stabilisierter Cineflex Kamera an einem Ausleger unter der Nase. Verfolgungsjagden, die aus wenigen Metern Höhe gefilmt wirken, entstehen sehr oft genau so. Und weil sich Prominenz und Praktikabilität nicht ausschließen, brachte eine EC135 während der Fußballweltmeisterschaft 2006 Franz Beckenbauer von Stadion zu Stadion.

Am Bildschirm geht es weiter. Im Microsoft Flight Simulator gehört die H135 der Hype Performance Group zu den bekanntesten Hubschrauber Add-ons überhaupt, und die Community hat inzwischen unzählige Bemalungen dafür gebaut, von Luftrettung über Polizei bis hin zu Schweizer Betreibern. Wer das Modell baut und danach dieselbe Maschine virtuell fliegt, bekommt ein erstaunlich rundes Gesamtbild von Ausrüstung, Instrumentierung und Sichtverhältnissen.

Was euch auf dem Basteltisch erwartet

Unsere 1:72 Form der EC135 begleitet uns schon seit 2001 und ist über die Jahre in einer ganzen Reihe von Ausführungen erschienen, von der Luftrettung über zivile Betreiber bis zur militärischen EC635. Die Air-Glaciers Version profitiert davon, denn sie enthält auch den Spritzling mit Lasthaken, Außenspiegeln und weiteren Kleinteilen. Insgesamt liegen 75 Teile bei, verteilt auf mehrere Spritzlinge plus einen klaren Rahmen für Kanzel und Fenster.

Drei Dinge solltet ihr von Anfang an einplanen. Erstens das Ballastgewicht. Die Bauanleitung verlangt Gewicht in der Nase, und das hat seinen Grund, denn sonst setzt sich das Modell auf das Heck. Der Platz ist knapp, deshalb hat es sich bewährt, das Gewicht zu verteilen, also etwas unter den vorderen Kabinenboden und zusätzlich feines Bleigranulat in die Instrumentenkonsole. Wer das erst nach dem Schließen des Rumpfes merkt, ärgert sich lange.

Zweitens die Verglasung. Die große, stark gewölbte Frontscheibe ist die anspruchsvollste Stelle des Bausatzes. Trocken anpassen, vorsichtig verschleifen, mit möglichst wenig Kleber arbeiten und Klarteilkleber verwenden, der nicht ausblüht. Wer die Scheibe vor dem Lackieren sauber maskiert, spart sich hinterher jede Menge Nacharbeit.

Drittens die Dekoration. Die rot gelbe Air-Glaciers Bemalung ist der eigentliche Grund, warum dieser Bausatz mit Level 4 eingestuft ist. Ihr solltet die Farbübergänge planen, sauber maskieren und den Decals Zeit geben, sich über die Rundungen zu legen.

Wer die Kabine offen darstellen möchte, kann die beiliegende Rettungsausstattung mit Gurten aus Bleifolie und ein paar Griffen aus Draht schnell aufwerten. Der bewegliche Hauptrotor sorgt danach dafür, dass das fertige Modell nicht statisch wirkt.

Der Bausatz im Überblick

Das Set ist so gedacht, dass ihr sofort starten könnt, denn Aqua Color Grundfarben, Pinsel und der Revell Contacta Plastik Tubenkleber liegen bereits bei. Ihr braucht keinen Zwischenstopp im Fachhandel, was dieses Set auch als Geschenk in den Einstieg des Modellbaus interessant macht.

Der Maßstab ist 1:72, die Altersempfehlung liegt bei 12 Jahren, es sind 75 Einzelteile verbaut, und der fertige Hubschrauber misst rund 14 Zentimeter. Zum Bausatz gehören ein detailliertes Cockpit mit Instrumentenbord, ein ausgearbeiteter Innenraum, der präzise wiedergegebene Fenestron Heckrotor, der bewegliche Hauptrotor und der Abziehbildersatz für HB-ZRK aus dem Jahr 2015.

Im Lieferumfang findet ihr:

  • Plastikmodellbausatz, nicht zusammengebaut
  • Bebilderte, mehrsprachige Bauanleitung
  • Authentischer Abziehbildersatz für Air-Glaciers, HB-ZRK
  • Pinsel
  • Grundfarben aus der Reihe Revell Aqua Color
  • Klebstoff, Revell Contacta Plastik Tubenkleber

Fazit: kleines Modell, große Geschichte

Vierzehn Zentimeter Kunststoff, 75 Teile, ein Wochenende Arbeit. Und trotzdem steht am Ende ein Modell auf dem Regal, das von einem Bergführer erzählt, der sich 1963 Geld lieh, von einem Hubschrauber, dessen ummantelter Heckrotor gegen internen Widerstand durchgesetzt wurde, und von einer einzelnen Maschine, die in Deutschland anfing, in Österreich weiterflog, elf Jahre lang über dem Lauterbrunnental Leben rettete und heute wieder in Österreich unterwegs ist. Genau deshalb bauen wir Modelle.

Startet eure Rettungsmission und holt euch das Set hier: Starter Kit Airbus Helicopters EC135 „Air-Glaciers“.

Inspirationen zum Bau

Hier seht Ihr einige Aufnahmen von HB-ZRK in Action

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