Sechs Räder, ein Sieg, ein Mythos: der Tyrrell P34/2 im Maßstab 1:32

Von 30. August 2026Modellbau11 min Lesezeit

Es gibt Rennwagen, die man erklären muss, und es gibt den Tyrrell P34. Wer dieses Auto zum ersten Mal sieht, braucht keine Datenblätter und keine Rundenzeiten, sondern zählt einfach nach: vier kleine Räder vorne, zwei große hinten. Kein anderes Fahrzeug hat die Formel 1 so radikal gegen den Strich gebürstet und trotzdem gewonnen. Genau dieses Stück Motorsportgeschichte holt ihr euch mit unserem Starter Kit auf den Basteltisch, komplett mit Farben, Pinsel und Kleber, sodass ihr sofort loslegen könnt: Starter Kit Tyrrell P34/2 6-Wheeler.

Bevor ihr den ersten Teil vom Spritzast trennt, lohnt sich ein Blick auf das Original. Denn kaum ein Auto hat so viele Geschichten produziert, so viele Ingenieure zum Nachdenken gebracht (oder in den Wahnsinn getrieben :)) und so oft den Weg in Comics, Zeichentrickserien und sogar in einen Songtext gefunden wie dieser Sechsrädler.

Projekt 34: Wie aus einer Reifenfrage ein Sechsrädler wurde

Verantwortlich für die Idee war Derek Gardner, Chefkonstrukteur bei Tyrrell und ein Mann, der aus der Welt der Allradantriebe kam. Er hatte bei Ferguson Research an Antriebssystemen für Rennwagen gearbeitet, bevor Ken Tyrrell ihn 1970 holte und ihm die Konstruktion des ersten eigenen Chassis anvertraute. Der Name des Projekts war denkbar unromantisch: P34 stand schlicht für den vierunddreißigsten Satz Konstruktionspläne, den das Team ausgearbeitet hatte.

Gardners Problem war ein aerodynamisches. Das Reglement der mittleren siebziger Jahre begrenzte die Breite des Frontflügels auf anderthalb Meter. Weil aber Fahrerfüße, Lenkung und Aufhängung Platz brauchten, ragten die normal großen Vorderreifen oben und seitlich aus dem Flügel heraus. Sie erzeugten Luftwiderstand, sie erzeugten Auftrieb und sie verwirbelten die Luft, die eigentlich sauber zum Heckflügel strömen sollte. Gardner drehte die Frage einfach um: Wie klein müsste ein Rad sein, damit es vollständig hinter dem Flügel verschwindet?

Die Antwort lautete rund zehn Zoll Durchmesser, und damit begann das eigentliche Kunststück. So kleine Räder haben eine viel zu geringe Aufstandsfläche, um einen Rennwagen sauber durch eine Kurve zu bringen. Also verdoppelte Gardner sie kurzerhand. Vier kleine Räder bringen zusammen mehr Gummi auf die Straße als zwei große, sie bieten außerdem doppelt so viele Bremsscheiben und damit deutlich mehr Bremsfläche. Damit die Lenkung nicht zum Albtraum wurde, verband Gardner nur das vordere Radpaar direkt mit dem Lenkgetriebe, das hintere Paar folgte über einen Winkelhebel. Goodyear ließ sich darauf ein, für diese Zwerge eigene Rennreifen zu fertigen, und die gesamte Entwicklung lief unter strengster Geheimhaltung.

Eine Plane, ein paar Bügel und ein kollektives Luftholen

Am 22. September 1975 lud Tyrrell die Presse in ein Hotel am Flughafen Heathrow. Unter der Abdeckplane sorgten Bügel dafür, dass sich die Silhouette eines ganz normalen Rennwagens abzeichnete. Erst als die Plane von hinten nach vorne weggezogen wurde, sahen die Journalisten die vier winzigen Vorderräder, und im Saal wurde es kurz sehr still. Manche Anwesende hielten das Ganze für einen aufwendigen Werbegag. Selbst die eigenen Fahrer Jody Scheckter und Patrick Depailler erfuhren erst an diesem Tag, womit sie in der kommenden Saison antreten sollten.

Am 8. Oktober 1975 rollte der Wagen in Silverstone erstmals auf die Strecke. Nach weiteren Tests entschied Tyrrell, zwei zusätzliche Exemplare mit leicht verlängertem Radstand für die Saison 1976 zu bauen. Aus dem angeblichen Gag wurde damit ein Einsatzfahrzeug.

Anderstorp 1976: der Tag, an dem sechs Räder gewannen

Sein Debüt gab der P34 beim Großen Preis von Spanien 1976 in Jarama. Depailler qualifizierte sich auf Startplatz drei, direkt hinter James Hunt und Niki Lauda, und lag damit elf Plätze vor dem konventionellen Tyrrell im gleichen Team. Spätestens da war klar, dass hier niemand Werbung machte, sondern jemand rechnen konnte.

Der große Moment kam beim Großen Preis von Schweden in Anderstorp. Scheckter holte die Pole Position und gewann das Rennen, Depailler folgte auf Platz zwei. Ein Doppelsieg für einen sechsrädrigen Rennwagen, und bis heute ist Jody Scheckter der einzige Fahrer, der einen Grand Prix in einem solchen Auto gewonnen hat. Über die Saison kamen ein Sieg und acht zweite Plätze zusammen, am Ende stand Tyrrell auf Rang drei der Konstrukteurswertung hinter Ferrari und McLaren.

Interessant ist, wo der Wagen glänzte und wo er litt. Auf schnellen, glatten Kursen mit langen Kurven wie Anderstorp, Watkins Glen, Mosport, Fuji oder dem Österreichring lag er hervorragend. Auf welligen Strecken wie Brands Hatch, Jarama oder dem Nürburgring wurde es dagegen unberechenbar, weil je nach Bodenwelle mal das vordere, mal das hintere der beiden Räder auf einer Seite den Kontakt verlor. Der Grip wechselte also mitten in der Kurve, und genau das machte die Abstimmung so schwierig.

Auch die Fahrer waren sich uneins. Depailler schwärmte in jedem Interview von dem Auto, Scheckter verließ das Team nach der Saison und bezeichnete den Sechsrädler wenig diplomatisch als Schrott. Beide hatten auf ihre Weise recht, denn genau darin liegt der Reiz dieses Projekts.

1977: die Saison des P34/2

Für 1977 kam Ronnie Peterson als Nachfolger von Scheckter, und der Wagen wurde überarbeitet. Diese Ausbaustufe ist es, die ihr in unserem Bausatz vor euch habt. Die Karosserie wurde aerodynamisch geglättet, gleichzeitig musste das Cockpit an die Körpergröße von Peterson angepasst werden. Beides kostete Gewicht, und der Wagen wog nun rund 620 Kilogramm statt der 595 Kilogramm des Vorjahres. Weil das Untersteuern nicht in den Griff zu bekommen war, verbreiterte das Team im Laufe der Saison die Spur der Vorderachse. Damit standen die kleinen Räder wieder im Luftstrom neben dem Flügel, und der ursprüngliche Grundgedanke der Konstruktion war dahin.

Dazu kam ein Problem, gegen das kein Ingenieur ankommt. Goodyear entwickelte die normalen Rennreifen konsequent weiter, die Sonderanfertigungen für die Vorderachse blieben jedoch auf dem Stand von 1976 stehen. Das Gleichgewicht zwischen vorne und hinten stimmte damit nicht mehr. Derek Gardner verließ das Team, Maurice Phillippe übernahm, und die Ergebnisse wurden bescheidener. Depailler holte in Südafrika, in Kanada und in Japan noch Podestplätze, Peterson gelang in Zolder ein dritter Platz und in Watkins Glen die schnellste Rennrunde, doch zehn Ausfälle in siebzehn Rennen sprachen eine deutliche Sprache. Im November 1977 stellte Ken Tyrrell den konventionellen Nachfolger 008 vor und erklärte das Kapitel für beendet. Er ergänzte damals, die Sechsrädler würden wohl zu Sammlerstücken werden, und damit lag er richtiger, als er ahnen konnte.

Wenn ihr euch euer eigenes Sammlerstück bauen wollt, findet ihr es hier im Revellshop: Starter Kit Tyrrell P34/2 6-Wheeler.

Sechs Räder machten Schule

Der P34 blieb nicht allein. March, Williams und Ferrari bauten ebenfalls sechsrädrige Versuchsträger, gingen die Sache aber genau andersherum an und setzten vier Räder an die Hinterachse. Weder der March 2-4-0 noch der Williams FW07D und FW08B noch der Ferrari 312T6 kamen jemals in einem Grand Prix zum Einsatz. 1983 untersagte die FIA Fahrzeuge mit vier angetriebenen Rädern, später wurde die maximale Radzahl im Reglement schlicht auf vier festgeschrieben. Damit ist der Tyrrell für alle Zeiten der einzige Sechsrädler mit einem Sieg in der Formel 1.

Auf der Straße fand die Idee trotzdem Nachahmer. Panther Westwinds stellte 1977 den Panther 6 vor, einen Sportwagen mit zwei gelenkten Vorderachsen, und Covini Engineering aus Italien präsentierte 2005 mit dem C6W eine moderne Interpretation desselben Gedankens.

Die Originale selbst sind längst wieder unterwegs. Nachdem Avon im Jahr 2000 zusagte, die speziellen Reifen mit zehn Zoll Durchmesser erneut zu fertigen, kehrten die P34 in den historischen Rennsport zurück. Martin Stretton gewann mit einem der Wagen im Jahr 2000 die Thoroughbred Grand Prix Serie, Mauro Pane wiederholte das 2008 mit einem Schwesterchassis. Beim Goodwood Festival of Speed, beim Grand Prix Historique in Monaco und beim Historic Grand Prix in Zandvoort gehören die kleinen Vorderräder bis heute zu den zuverlässigsten Publikumsmagneten.

Vom Rennwagen zum Star der Popkultur

Kaum ein Rennwagen hat es so oft auf Bildschirme geschafft. In der Zeichentrickserie Transformers diente der P34 als Vorlage für den Decepticon Drag Strip, der in Gelb mit roten Akzenten auftrat. Lupin III jagt in Folge elf der zweiten Serie in einer Version des Sechsrädlers über den Kurs von Monaco. In der ersten Episode der Animeserie Moldiver von 1993 taucht das Auto ebenso auf wie in der vierten Staffel von Phineas und Ferb, wo ein deutlich vom P34 inspirierter Rennwagen zum Einsatz kommt. Und wer den Kinofilm Rush über das Duell zwischen James Hunt und Niki Lauda gesehen hat, hatte die vier kleinen Räder bereits im Bild, denn ohne den Tyrrell wäre die Saison 1976 nicht vollständig erzählt.

Selbst in der Musik hat der Wagen Spuren hinterlassen. George Harrison, bekennender Motorsportfan, veröffentlichte 1976 auf dem Album Thirty Three & 1/3 das Stück It’s What You Value, in dem beiläufig von jemandem die Rede ist, der einen Sechsrädler fährt. Die Zeile gilt bis heute als Verbeugung vor dem Tyrrell, und der Song selbst hat eine eigene Anekdote, denn er entstand, weil Harrison seinem Schlagzeuger Jim Keltner statt einer Gage einen Mercedes geschenkt hatte.

Besonders innig ist die Beziehung zwischen dem P34 und Japan. Beim Großen Preis von Japan 1976 in Fuji trat das Team mit Schriftzügen in japanischen Zeichen an, Depailler wurde Zweiter, und der Sechsrädler wurde dort zu einer Ikone. Tamiya kaufte für die eigenen Modelle sogar einen echten P34 als Vorlage, was zeigt, wie ernst das Thema im Modellbau genommen wurde.

Was euch am Basteltisch erwartet

Level 5 ist keine Zierde auf der Verpackung. In 105 Teilen im Maßstab 1:32 stecken ein mehrteiliger Ford Cosworth Motor, eine detaillierte Karosserie und vor allem jene Aufhängung, die vier Vorderräder in Position halten muss. Genau dort liegt die Herausforderung, denn alle vier Räder sollen am Ende sauber auf einer Ebene stehen. Nichts entlarvt einen zu hastigen Zusammenbau so schnell wie ein Sechsrädler, der auf fünf Rädern steht.

Unser Tipp: Setzt die Aufhängung zunächst trocken zusammen und prüft die Ausrichtung auf einer Glasplatte, bevor der Contacta Kleber ins Spiel kommt. Tragt den Kleber sparsam auf, denn bei Bauteilen dieser Größe verzeiht ein Tropfen zu viel gar nichts. Den Motor und das Cockpit lackiert ihr am besten, solange die Teile noch gut zugänglich sind, danach wird es eng. Die Aqua Color Farben aus dem Set decken die Grundtöne ab, und wer möchte, kann mit einer dunklen Verdünnung in den Vertiefungen der Karosserie noch etwas Tiefe erzeugen. Für die Abziehbilder gilt: geduldig arbeiten, mit reichlich Wasser positionieren und erst dann andrücken, wenn alles sitzt.

Wenn das Modell fertig ist, habt ihr etwas in der Vitrine stehen, das keine Erklärung braucht. Besucher zählen nach, fragen nach und hören sich dann die Geschichte an, die ihr gerade gelesen habt 🙂

Daten und Lieferumfang

Starter Kit Tyrrell P34/2 6-Wheeler

Maßstab 1:32

105 Einzelteile

Schwierigkeitsgrad Level 5

Altersempfehlung ab 13 Jahren.

Der P34/2 startete in der Saison 1977 und ist bis heute das einzige sechsrädrige Fahrzeug, das ein Rennen der Formel 1 gewinnen konnte, wobei der Sieg auf das Konto der Vorgängerversion aus dem Jahr 1976 ging.

Im Set enthalten:

  • Plastikmodellbausatz, nicht zusammengebaut
  • Bebilderte, mehrsprachige Bauanleitung
  • Authentischer Abziehbildersatz
  • Pinsel
  • Grundfarben Revell Aqua Color
  • Klebstoff Revell Contacta Plastik Tubenkleber

Traut ihr euch an den Six Wheeler? Dann holt euch dieses anspruchsvolle Stück Rennsportgeschichte auf den Basteltisch: Starter Kit Tyrrell P34/2 6-Wheeler im Revell Shop.

Inspirationen zum Bau

Hier nimmt Euch Patrick Depailler mit an Bord auf eine Runde durch Monaco

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Hier habt Ihr aber auch noch einmal moderne Fahraufnahmen aus dem Tyrrell

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und wenn Ihr lieber einmal erklärt haben wollt, wie das Auto funktioniert, dann hat Drivetribe hier etwas für euch:

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