Der Focke-Wulf TL Jäger „Flitzer“: Das schnellste Papierflugzeug der WWII Luftwaffe als Modell in euren Händen

Von 28. März 2026Allgemein10 min Lesezeit

Manche Flugzeuge schreiben Geschichte, weil sie fliegen. Andere schreiben Geschichte, weil sie es nie taten. Der Focke-Wulf TL Jäger „Flitzer“ gehört zur zweiten Kategorie, und genau das macht ihn so faszinierend. Er ist eines jener Projekte, über die sich Luftfahrthistoriker und Modellbauer seit Jahrzehnten den Kopf zerbrechen, weil sie das Potenzial hatten, den Verlauf des Krieges in der Luft zu verändern, aber nie über ein Holzmodell in Originalgröße und ein paar hundert Seiten Konstruktionszeichnungen hinausgekommen sind. Mit unserem Bausatz aus der P-Serie holt ihr euch jetzt ein Stück dieser alternativen Geschichte ins Regal.

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Von Bremen in den Windkanal: Wie der Flitzer entstand

Die Geschichte des Flitzers beginnt im März 1943 in den Konstruktionsbüros der Focke-Wulf Flugzeugbau AG. Die deutsche Luftfahrtindustrie stand zu diesem Zeitpunkt unter gewaltigem Druck. Die Messerschmitt Me 262 war zwar technisch ein Durchbruch, aber ihre Schwächen waren bekannt: Sie benötigte lange Start- und Landebahnen, war anfällig in niedrigen Flugphasen und ihr Triebwerk verschlang knappe Ressourcen. Das Reichsluftfahrtministerium suchte nach Alternativen, und Focke-Wulfs Chefkonstrukteur Kurt Tank hatte eine Antwort parat.

Tank und sein Team entwickelten unter der internen Bezeichnung Entwurf VI, gelegentlich auch als P.VII geführt, einen einstrahligen Jäger mit einer Konfiguration, die in Deutschland völlig neu war. Die zentrale Rumpfgondel mit kurzem, gedrungenen Rumpf, dazu zwei lange Leitwerksträger, die am hinteren Ende die Steuerungsflächen trugen; das war das Herzstück des Flitzer-Konzepts. Wer beim Lesen dieser Beschreibung unweigerlich an die britische de Havilland Vampire denkt, liegt nicht falsch. Beide Konstruktionen entstanden unabhängig voneinander in der gleichen Phase des Krieges und kamen zu erstaunlich ähnlichen Ergebnissen, was der genialen, aber auch zwingenden Logik dieser Bauweise geschuldet war.

Der Name „Flitzer“ lässt sich am besten mit „Flitzer“ oder „Sprinter“ ins Englische übersetzen, und er war Programm. Das Projekt sah als Hauptantrieb das Heinkel HeS 011 A-Strahltriebwerk vor, das in Verbindung mit einem zusätzlichen Walter HWK 109-509 Raketentriebwerk für kurze Schubstöße eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 955 km/h in großer Höhe ermöglichen sollte. Damit hätte der Flitzer die Me 262 deutlich übertroffen. Die Lufteinlässe des Triebwerks wanderten im Laufe der Konstruktionsarbeit von der Rumpfnase in die Flügelwurzeln, was die Aerodynamik erheblich verbesserte und die Silhouette des Flugzeugs in die endgültige, markante Form brachte.

Kurt Tank und das Dilemma der Ressourcen

Wer den Flitzer verstehen will, muss Kurt Tank verstehen. Tank war nicht nur ein brillanter Konstrukteur, er war auch ein pragmatischer Ingenieur, der die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Dritten Reichs sehr genau im Blick hatte. Er präsentierte den Flitzer dem Reichsluftfahrtministerium am 1. Februar 1944 unter der Baubeschreibungsnummer 280 als einen sogenannten Moskitojäger, also als leichten Abfangjäger, der explizit auf die schwere alliierte Bomberbegleitung durch Mosquitos reagieren sollte.

Die Leistungsdaten, die Tank dem RLM vorlegte, waren beeindruckend. Eine Steigrate von 18,2 Metern pro Sekunde, eine Dienstgipfelhöhe von 13.000 Metern, eine Spannweite von gerade einmal 8 Metern und eine Länge von 10,55 Metern machten den Flitzer zu einem kompakten, hochagilen Abfangjäger. Die Bewaffnung war mit zwei 30-mm-MK-103-Kanonen und zwei 20-mm-MG-151-Kanonen für einen Jäger dieser Größe sehr ernstzunehmen. Trotzdem wollte das RLM nicht so recht anbeißen, und der Grund war vor allem ein praktischer: Das Heinkel HeS 011-Triebwerk war schlicht nicht in ausreichender Stückzahl verfügbar. Es war eines der fortschrittlichsten Strahltriebwerke Deutschlands, aber die Produktion hinkte den Erwartungen beständig hinterher.

Tank entwickelte daraufhin Varianten mit dem schwächeren BMW 003-Triebwerk, was die Leistungsdaten aber so weit reduzierte, dass der Flitzer gegenüber dem Konkurrenzprojekt Ta 183 „Huckebein“ keine überzeugenden Argumente mehr hatte. Am 3. Oktober 1944 wurde das gesamte Flitzer-Programm offiziell eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt existierten ein vollständiger Holzaufbau im Maßstab 1:1 und sämtliche Konstruktions- und Montagepläne; ein flugfähiger Prototyp war jedoch nie gebaut worden.

Ein Bruder namens Volksflitzer

Eine interessante Randgeschichte des Flitzer-Projekts ist seine Verbindung zum sogenannten Volksjäger-Wettbewerb von 1944. Das RLM schrieb einen einfach herzustellenden, günstigen Jäger aus, der möglichst schnell in großen Stückzahlen produziert werden konnte. Kurt Tank lehnte das zugrundeliegende Konzept zwar grundsätzlich ab, er war überzeugt, dass ein solches Flugzeug zum Zeitpunkt seiner Fronteinführung jedem alliierten Strahlenjäger hoffnungslos unterlegen wäre, aber Focke-Wulf reichte trotzdem einen Entwurf ein. Dieser basierte auf einer stark vereinfachten Version des Flitzers und wurde intern zunächst als „Volksflitzer“ oder auch „Volksflugzeug“ bezeichnet. Das Konzept kam nicht über die Entwurfsphase hinaus, da Heinkel mit der He 162 „Salamander“ das Rennen machte.

Diese Episode zeigt, wie grundlegend das Flitzer-Design als Ausgangspunkt für verschiedene Entwicklungsstränge diente, und wie sehr Focke-Wulf innerhalb des chaotischen Rüstungsapparats der Endkriegsphase jonglieren musste.

Luftwaffe ’46: Das Phänomen der Papierflugzeuge in der Modellbaukultur

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Der Begriff „Luftwaffe ’46“ hat sich in der Modellbau- und Luftfahrthistorikerszene für eine ganze Disziplin eingebürgert: die Beschäftigung mit deutschen Flugzeugprojekten, die theoretisch bis 1946 hätten einsatzbereit sein können, es aber aus verschiedenen Gründen nie wurden. Es ist eine spezielle Form von Kontrafaktik, die sich nicht mit militärischen Entscheidungen oder politischen Alternativen beschäftigt, sondern mit konkreter Ingenieurstechnik und dem Versuch, Pläne zu visualisieren, die in den Wirren des Kriegsendes verloren gingen oder vernichtet wurden.

Der Flitzer ist eines der faszinierendsten Objekte in diesem Kosmos, weil er einerseits so weit entwickelt war, dass seine technischen Parameter gut dokumentiert sind, andererseits aber so viele offene Fragen hinterlässt. Welche genaue Lackierung hätte ein Serienflugzeug getragen? Welche Einheit wäre als erste damit ausgerüstet worden? Hätte die Kombination aus Strahl- und Raketentriebwerk tatsächlich die projektierten Leistungsdaten erreicht? Diese Fragen sind es, die die Community der Luftwaffe-46-Enthusiasten seit Jahrzehnten beschäftigen und immer wieder zu neuen Modellbauprojekten, Dioramen und kreativen Lackierungen inspirieren.

In der Modellbau-Literatur taucht der Flitzer regelmäßig in Standardwerken wie Walter Schick und Ingolf Meyers „Luftwaffe Secret Projects: Fighters 1939-1945″ auf, einem Buch, das für viele Modellerinnen und Modellbauer in diesem Bereich zur wichtigsten Referenz überhaupt geworden ist. David Myhras „Secret Aircraft Designs of the Third Reich“ widmet dem Projekt ebenfalls eigene Seiten, und Wolfgang Wagners Biografie über Kurt Tank, die unter dem Titel „Kurt Tank: Konstrukteur und Testpilot bei Focke-Wulf“ erschienen ist, beleuchtet den Entwicklungsprozess aus der Perspektive des Chefkonstrukteurs selbst. Diese Bücher sind für jeden, der den Flitzer-Bausatz mit wirklich fundiertem Hintergrundwissen bauen möchte, unverzichtbar.

Ein Modell mit Geschichte im Regal: Die Revell P-Serie

Wir bei Revell sind stolz darauf, den Flitzer als dritte Veröffentlichung unserer P-Serie (Prototype-Series) wieder anzubieten. Die letzte Auflage dieses Bausatzes erschien 2008, und seitdem haben uns immer wieder Anfragen aus der Community erreicht, ob und wann dieser außergewöhnliche Bausatz zurückkommt. Die Antwort ist: jetzt.

Was macht den Flitzer in 1:72 so besonders für eure Sammlung? Zunächst einmal die Formgebung selbst. Das Modell mit seiner kurzen, gedrungenen Zentralrumpfgondel und den beiden langen Leitwerksträgern ist in jeder Vitrine ein sofortiger Blickfang, weil es so grundlegend anders aussieht als die üblichen Muster der Kriegsluftfahrt. Wer eine Sammlung mit Me 262, He 162 und anderen Strahlprojekten aufbaut, findet im Flitzer das ideale Exoten-Stück, das sofort Fragen aufwirft und Geschichten erzählen lässt.

Weil kein Original jemals geflogen ist, bieten die mitgelieferten Abziehbilder fiktive, aber historisch plausible Einsatzmarkierungen, was euch als Modellbauer die reizvolle Möglichkeit gibt, eigene kreative Entscheidungen zu treffen. Welche Staffel hätte den Flitzer geflogen? Welches individuelle Flugzeug-Emblem hätte er getragen? Diese Freiheit ist ein Privileg, das bei dokumentierten Serienflugzeugen so nicht existiert.

Vom Reißbrett ins Cockpit: Die technische Faszination des Flitzers

Für alle, die tiefer in die Materie einsteigen möchten, lohnt ein genauerer Blick auf das, was den Flitzer technisch auszeichnete. Die Kombination aus einem Strahltriebwerk und einem Raketentriebwerk war zur damaligen Zeit keine Seltenheit; auch die Me 163 „Komet“ flog ausschließlich mit Raketenantrieb, und verschiedene Projekte experimentierten mit Hybridantrieben. Was den Flitzer aber besonders machte, war die Tatsache, dass der Walter HWK 109-509-Raketenmotor nicht als Hauptantrieb, sondern als Startunterstützung und Notfallbooster konzipiert war. Das hätte dem Piloten in kritischen Situationen einen enormen Schubzuwachs gegeben, ohne die Reichweite des eigentlichen Triebwerks dauerhaft zu beeinträchtigen.

Die doppelten Leitwerksträger hatten neben der aerodynamischen Funktion auch einen praktischen Vorteil: Sie ermöglichten eine sehr kurze Gesamtlänge des Triebwerks-Luftwegs, was den Wirkungsgrad des HeS 011 in der theoretischen Berechnung verbesserte. Dass die Lufteinlässe in den Flügelwurzeln saßen, war dabei keine Kopie der britischen Vampire, sondern eine logische Konsequenz der gewählten Konfiguration, die beide Konstruktionsteams unabhängig voneinander entwickelten. Diese Parallele ist bis heute eine der meistdiskutierten Zufälligkeiten der Luftfahrtgeschichte des Zweiten Weltkriegs.

Bautipps und Sammelkontext: So holt ihr das Beste aus dem Bausatz

Mit 38 Einzelteilen und dem Maßstab 1:72 ist der Flitzer-Bausatz zwar kompakt, aber keineswegs trivial. Die Level-4-Einstufung spiegelt vor allem die Anforderungen an die Bemalung wider. Da es kein historisch dokumentiertes Original gibt, auf das ihr euch stützen könnt, liegt es ganz bei euch, welche Lackierung ihr wählt. Besonders beliebt in der Community sind realistische Spätkriegstarnungen der Luftwaffe, also Varianten der RLM-70/71/76-Schemata oder die typischen Graugrün-Muster, die man von der He 162 kennt. Andere Modellbauer nutzen die Freiheit für kreative Was-wäre-wenn-Szenarien mit erfundenen Staffelwappen.

Als ideale Nachbarschaft in der Vitrine empfehlen wir die anderen Modelle unserer P-Serie  Arado AR E.555 oder die Messerschmitt P.1099A, denn genau diese Muster hätten theoretisch zur gleichen Zeit in der Luft sein können. Ein solches Triptychon der deutschen Strahlprojekte des Jahres 1945 ist gleichzeitig eine hochwertige Modellsammlung und ein faszinierendes Stück visualisierter Technikgeschichte.

Euer Bausatz auf einen Blick

Nach über 15 Jahren kehrt der Focke-Wulf TL Jäger „Flitzer“ als dritte Veröffentlichung unserer P-Serie zurück. Der Bausatz enthält eine bebilderte mehrsprachige Bauanleitung sowie einen Abziehbildersatz mit fiktiven Einsatzmarkierungen. Die technischen Daten des Bausatzes auf einen Blick: Maßstab 1:72, 38 Einzelteile, Schwierigkeitsgrad Level 4, Altersempfehlung ab 12 Jahren, Preis 14,99 Euro.

Holt euch dieses außergewöhnliche Stück alternativer Luftfahrtgeschichte in eure Sammlung. Der Flitzer war das schnellste Flugzeug, das nie geflogen ist, und als Modell bekommt er jetzt endlich seine verdiente Chance.

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